Prokoll vom 31.10.
Anmerkung:
Wir haben uns in diesem Treffen vor allem über unsere persönlichen Erfahrungen und Meinungen zum System unterhalten.
Überblick
Zu 1) Erweiterungscurricula vs. freie Wahlfächer
Unterschied zu Diplom: Dort ist es möglich alles zu machen, es muss nur bewilligt werden. Aber generell wird alles akzeptiert. Normalerweise kann man aber alles in ganz Europa machen und anrechnen lassen (zumindest bei Psychologie, auch KSA und ie).
Abgewiesen werden vielleicht nur LVs aus Bereichen wie Chemie oder anderes. Z.B. ist es auch so, dass es möglich ist sich alle Lehrveranstaltungen anrechnen lassen, die man im Ausland absolviert hat.
EC merzen die Möglichkeit aus, dass zwei studien gleichzeitig absolviert werden können, dies ist sogar weniger erwünscht. Dadurch wird Interdisziplinarität nicht gefördert. Zwei Bachelor-Studien zu absolvieren ist deshalb beinahe ein Ding der Unmöglichkeit.
Außerdem problematisch: Wenn es kein von der Uni Wien genehmigtes EC ist wird es nicht genehmigt, Folge: Erasmus LVs können nicht als EC angerechnet werden.
Zum Beispiel ist es auch sehr problematisch für Sprachen (die für eine/n AntropologIn von großer Wichtigkeit sind). Zb Kann man bei einigen Instituten zwar zwei Semester lang die Sprache erlernen (bzw. die Grammatik der Sprache…), aber nach dem ECnicht daran weiterarbeiten (Beispiel: Von der Orientalistik angebotenes EC „Arabische Sprache und Kultur“).
Zu 2) Fördert Bologna Mobilität?
Bei Erasmus ist es sehr schwer vermehrt mobil zu sein, obwohl genau das durch das BA/MA System erleichtert werden sollte. Im Endeffekt ist es jedoch nun viel schwerer, da die Lehrveranstaltungen nicht dieselben Titel oder auch Inhalte in anderen Ländern haben. Z.B. werden manche Lehrveranstaltungen auch innerhalb desselben Landes nicht angerechnet (POWI, obwohl beides BA, wenns im eigenen Land schon nicht funktioniert…)
Genau in diesem Punkt bewirkt das BA/MA System das genaue Gegenteil von dem was es eigentlich bewirken sollte. Vermehrt werden Erasmus Aufenthalte innerhalb des BA auch von Lehrenden abgeraten.
Demnach müssten alles LVs in allen Ländern die gleichen Titel tragen. Folge: Jede/r Lehrende müsste dieselben Inhalte vortragen. Lehrende würden hier auch sehr eingeschränkt werden.
Man kann also Erasmus nicht machen ohne Zeit zu verlieren. Einwände: Auch ist Erasmus für manche einfach nur eine Erholung und eine Zeit um Sprachen zu lernen, neue Leute kennen zu lernen und Erfahrungen zu sammeln
Ist es möglich durch Erasmus-Aufenthalt die Mindeststudienzeit zu verlängern? Ein Toleranzsemester? Noch nachschauen.
3) Voraussetzungsketten im BA
Verhindert das BA/MA System vermehrte Mobilität? Aber eigentlich erwünscht das system Mobilität! Durch Voraussetzungsketten aber nicht wirklich möglich. Eher die Problematik, dass man Semester zurückfällt.
Studieneingangsphase/Voraussetzungsketten (STEP 1, STEP 2, Zugangsbeschränkungen zu Seminaren, auch innerhalb der nächsten Phasen (Grundlagenphase, Aufbauphase…)
Dadurch sind Studierende auch teils für Prüfungen eingeschränkt (z.B. Ethnohistorie erst nach Absolvierung des STEP 1)
Zu Bachelorseminaren wird auch nur durch die Methodenphase zugelassen.
Daraus folgt: Bacherlor fördert eher längeres studieren, anstatt Studienzeit zu verkürzen, oder die Möglichkeit zu haben innerhalb der Mindeststudienzeit fertig zu werden. Und falls es doch möglich ist innerhalb dieser fertig zu werden bedeutet dies einen höheren Stressaufwand, weniger Konzentration auf Vertiefung des Erlernten und nur oberflächliche Wissensaneignung.
Außerdem ist es auch für Berufstätige sehr schwer die Studieneingangsphase in einem Semester zu absolvieren
4) Masterstudium
Auch Master ist problematisch.
Masterzulassung: Wenn man KSA Abschluss hat kann man jeden Master machen? In England ja, da jeder Master spezielle Thematiken behandelt. Mastersudiengang ist völlig frei vom Institut - themenmäßig. Falls es noch kein Vorwissen gibt, ist es möglich einleitende Kurse zu absolvieren.
Master wird aber generell eher positiv gesehen, da er sehr interdisziplinär und sehr speziell ist. Zulassungsvoraussetzungen sind halt sehr streng, man müsste mehrere Gänge schaffen, um mehrere Studenten aufnehmen können.
Gut ist dass man sich in den zwei Jahren sehr auf ein bestimmtes Thema fokussieren kann.
Auch wenn man einen Master hat ist man noch nicht gut wissenschafltich ausgebildet? Master kann man auf Diplomstudiumsebene setzen. Problem: Es war nie vorgesehen, dass so viele Leute einen Master machen wollen. Daraus folgend gibt es natürlich viel zu wenige Plätze in Masterprogrammen.
Einwand: War auch vorher schon problematisch. Doktoratsstudien vorher 27 angefangen, heute auch 500. entweder zu viele studierende oder zu wenige Plätze.
5) Erlernen von Methoden
Diplomstudium: wissenschaftliche Ausbildung, also Qualität ist sehr schlecht. Studierende haben meist im 2. Abschnitt immer noch keinen blassen Schimmer von Methoden. Im ersten Abschnitt gibt es 4 Methodenseminare (im BA sogar nur 3 (!!!), 2 überschneiden sich (arbeiten und schreiben) und bleiben auch teilweise sehr schwammig, 1 quantitatives Seminar ist viel zu wenig für ein sozialwissenschaftliches Fach.
Im Bachelor wurden die PS teilweise gelobt, vor allem das PS KSA Schreiben (Anm. Hängt aber auch von der Lehrkraft ab).
Kritik: Erlernen der Textgattungen, bzw. das Verfassen davon kommt viel zu kurz. Studierende kennen zwar vorher schon gewisse Textgattungen usw. aber haben keine Ahnung von dem breiten Feld der wissenschaftlichen texte. Wichtig wäre, dass man lernt und übt wie verschiedene Texte verfasst werden. Schließlich ist das das Handwerkszeug eines Ethnologen. Es wird viel zu viel Zeit für Zitierregeln verwendet, außerdem wäre das auch schon etwas für die Studieneingangsphase, da dort bereits die Arbeit für Aktuelle Debatten geschrieben werden muss.
Ist es jedoch überhaupt nötig zitieren so ausführlich in den Proseminare zu erlernen? Oder könnte das auch selbst erlernt werden
Um zu wissen wie Textarten anwendet werden müssen diese praktiziert werden.
Fazit: Es sind mehr Lehrende für solche PS notwenig, um bessere Betreuung zu gewährleisten.
Problem: Wenn nicht genug Leute rechtzeitig fertig werden, bekommt das Institut weniger Geld. Denn es wird eine Statistik erstellt. Jeder der länger braucht kommt nicht in die Statistik zur Förderung, dann bekommt das Institut weniger Geld.
Besonders Wichtig gesehen werden: Feedbacks für Arbeiten. Diplomstudentinnen sind sehr frustriert, dass sie nie ein Feedback erhalten. Da es wichtig ist auch aus gemachten Fehlern zu lernen.
6)Kritik an multiple Choice Tests
Sie fördern kein reflektiertes Lernen. Querlesen wird überhaupt nicht erfasst. Vertiefung und Benutzung anderer Quellen um das Erlernte zu verfestigen ist nicht mehr wirklich möglich, da nur noch Auswendiglernen und Konzentration auf winzigste Unwichtigkeiten gefördert werden.
Man hat zu wenig Zeit um für sich selber was rauszuholen und sich zB auch schon für sich selbst ein bisschen zu spezialisieren, zusätzliche Literatur zu lesen und diese genauer unter die Lupe zu nehmen.
7) Angewandte Forschung
Im Bologna-System werden einfach LVs abgehakt, ohne dass wirklich Dinge haften bleiben.
Angewandte Forschung: Sollte Möglichkeit haben diese gut umzusetzen, damit man diese auch erlernen kann sollten LVs über mehr als ein Semester geführt werden. Das Feldpraktikum (das im Bachlor gar nicht existiert!) wird von DiplomstudentInnen beispielsweise als sehr positiv wahrgenommen, wo man sich ein Semester auf Erhebung und nächstes Semester auf Auswertung konzentrieren kann (Anm. auch nicht jede/r DiplomstudentIn hatte die Möglichkeit darauf, da nicht immer so angeboten). Kritik: Ein Thema innerhalb eines Semesters ausarbeiten ist möglich, denn dadurch bleibt das Ergebnis, die Arbeit eher schwammig. Es ist nur möglich tiefer in eine Thematik einzudringen, wenn man sich über längere Zeit damit beschäftigt.
In anderen ländern länger? Spanien? Noch Informationen einholen!
Im Diplomstudium gibt’s das dass bei semesterübergreifenden LVs, die oft Projekte von Lehrenden selber sind, dabei wird das Gefühl vermittelt, das wirklich gearbeitet wird und zwar bei etwas Größerem. Es ist viel realistischer.
Deshalb: Gut wäre, wenn Lehrende uns in ihre Forschungen mit einbauen könnten, als Assistenten o.ä., da man so am meisten lernt.
FÜR ANGEWANDTE FORSCHUNG BEREITS IM STUDIUM!
Bacherlor: Angewandte Forschungsfelder sind ein Witz. Hier lernt man überhaupt nichts wirkliches darüber. Aber immer auch von Lehrenden abhängig. Vielleicht Lehrende fragen ob es möglich ist verstärkt Förderanträge und Ähnliches behandeln kann, bzw. Dinge, die wir in unseren täglichen Forschungen wirklich gebrauchen können.
Wo ist unsere Auslandsexkursion?
8) Bachelorarbeit
Ist es überhaupt möglich bei der Bachelorarbeit eine spezifische Forschungsarbeit machen? Müssen die Arbeiten nebeneinander gemacht werden? Gibt es die Möglichkeit sich genau mit einem Thema darin auseinander zu setzten?
Einwand: Durch Bachelor sollen sich Studierende noch nicht spezialisieren, dies soll erst durch einen Master erfolgen (wichtig: Bedenken wir bitte die Zugangsbeschränkungen und Kosten zu Masterprogammen. Fazit: Viele Menschen mit oberflächlicher Grundausbildung, wenige mit Spezialisierung)
9) Anderes
Wichtig wäre es, dass es innerhalb der Institute eine gewisse Freiheit gibt die Studienpläne zu verändern, bzw, Einfluss zu haben.
Einsicht, dass es gewisse Fächer geben muss, die man nicht unbedingt machen will, aber halt sinnvoll sind. Aber das ist auch ok.
Auch werden viele SE nur in gewissen Zeitabschnitten angeboten, somit sinkt die Wahlmöglichkeit auch. PROBLEMATISCH. Auch dass es oft so verläuft, dass alle Lehrveranstaltungen innerhalb von Modulen innerhalb eines Semesters abgeschlossen werden müssen.
Wollen nicht immer auf Module warten müssen.
Vorstellung wie Studium ablaufen soll, entspricht nicht mehr dem was wir unter Bildung verstehen. Strukturell mag es zwar funktionieren, aber bildungsmäßig nicht. Auch lehrende werden durch den neuen Studiunplan eingeschränkt.
England: bewirbst du dich für Unis und studieren einfach was, was sie nicht wirklich interessiert und arbeiten auch später nicht mehr in dem bereich. Das Problem dabei ist, dass einfach nicht mehr wirklich überlegt wird was man machen bzw. studieren will. Vielen geht es nur noch darum so schnell wie möglich einen Titel zu bekommen (wird vom Bologna-System gefördert…) Aber: Fachnahe Arbeitsverhältnisse sind aber sowieso immer sehr strittig, weil auch Magister/a nicht immer in den Bereichen arbeiten, die sie vorher abgeschlossen haben.