Plattform der Institutsvorstände zu den Protesten der Studierenden

2009-11-12 00:00:00, nic

An die Mitglieder des Senats der Universität Wien

Stellungnahme zu den Protesten der Studierenden

Die Plattform der Institutsvorstände der Universität Wien erklärt sich mit
den Protesten der Studierenden solidarisch. Zwar können wir nicht alle
studentischen Forderungen mittragen, wir setzen uns aber für Gespräche
ein, in die wir unsere Erfahrungen und Überzeugungen einbringen.
Die Forderung der Studierenden nach einer breiten bildungs- und
gesellschaftspolitischen Diskussion unterstützen wir mit allem Nachdruck.
Eine solche Debatte muss auch die Struktur der Universität betreffen. Dass
diese fast ausschließlich Top-Down-Bewegungen vorsieht, ist eine
Fehlkonstruktion. Sie hat zur Folge, dass sich die Universitätsleitung von
der Realität entfernt hat. Die Proteste der Studierenden zwingen sie nun,
sich die ernsten Probleme in der Lehre sehr vieler Fächer genauer
anzusehen. Dabei geht es nicht allein um deren finanzielle
Unterausstattung. –
Als Plattform der Institutsvorstände weisen wir darauf hin, dass die
Schwächen in der Lehre nicht isoliert betrachtet werden dürfen. Vielmehr
hat die Organisationsstruktur der Universität tiefgreifende Mängel. Die
von der Universität als Leitprinzip begriffene Einheit von Forschung und
Lehre wird dadurch systematisch unterminiert. Diese muss daher von den
handelnden Personen gegen die Logik der Universitätsstruktur oft mit
größten Mühen immer wieder neu durchgesetzt werden. Dasselbe gilt für die
Kooperationen und die Kommunikation innerhalb der Institute, der
Fakultäten und zwischen der Ebene der Fakultät und der Institute. Diese
gravierenden Mängel haben nichts mit Geldmangel zu tun. Sie entspringen
dem organisatorischen Setting, das den Anforderungen in Forschung und
Lehre in entscheidenden Punkten zuwider läuft.

Wir fordern daher
1. eine Demokratisierung universitärer Entscheidungsstrukturen mit einer
breiten Debatte darüber, wie demokratische Strukturen in Zukunft aussehen
sollen. Es geht dabei nicht um einer Rückkehr hinter das UG 2002, sondern
um eine neue, zukunftsfähige Organisationsform.

2. Der akademische Senat möge sich noch in diesem Semester mit der
Organisationsstruktur der Universität Wien befassen und Änderungen in
Richtung auf Mitentscheidung der Lehrenden und Studierenden vorschlagen.
Erforderlich ist ein breit angelegter Aktionsplan, der die oben
angeführten Probleme in den Blick nimmt. Auf Basis der bisherigen
Erfahrungen sind die Organisationsstrukturen neu zu justieren. Die
Plattform der Institutsvorstände ist bereit, sich aktiv an diesem Prozess
zu beteiligen.

Für die Plattform der Institutsvorstände

Elisabeth Nemeth, Institut für Philosophie
Ilse Schrittesser, Institut für Bildungswissenschaft


Wien, im November 2009