Sehr geehrte Frau Kollegin!
Sehr geehrter Herr Kollege!
Forum Nachhaltige Hochschulstrategie am 19.11.09
Position der Mehrheit im Betriebsrat für das wissenschaftliche Personal Der politische Auftrag, einen freien Zugang zu den Universitäten zu
garantieren, ist nur bei einer entsprechenden Finanzierung der
Universitäten zu erfüllen. Eine einmalige Investition in die Lehre kann die
strukturellen Mängel an der Universität Wien nicht beseitigen. Vielmehr
bedarf es einer nachhaltigen, adäquaten Finanzierung, um Studienbedingungen
herzustellen, die das Weiterkommen der Studierenden sicherstellen und ihnen
auch die Möglichkeit bieten, eine umfassende Bildung zu erwerben.
Lehrende mit Kurzzeitverträgen können die Betreuung der Studierenden nicht
sicherstellen. Wir benötigen mehr Vollzeitlehrende mit unbefristeten
Verträgen, denen auch genügend Zeit eingeräumt wird, die für die
forschungsgeleitete Lehre notwendige Forschung auch zu betreiben.
Die derzeit geübte Praxis, Lektorinnen und Lektoren auch außerhalb ihrer
bezahlten Arbeit für Modulprüfungen und die Betreuungen von Diplomarbeiten
und Dissertationen einzusetzen, ist unakzeptabel.
Prüfungsgelder als Entschädigung für Mehraufwand bei großen
Lehrveranstaltungen sind beizubehalten Mehraufwand kann durch all
inclusive - Gehälter nicht abgegolten werden.
Von der starken Verschulung der Bachelor-Studien, die durch die Umsetzung
des Bologna-Prozesses um sich gegriffen hat, müssen wir wieder abkommen -
Bildung kann durch employability nicht ersetzt werden.
Die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses muss endlich ernst
genommen werden. Assistentinnen und Assistenten in Ausbildung (praedocs)
müssen diese auch tatsächlich erhalten und dürfen auch während der für die
Institute gewidmeten Arbeitszeit nicht für Aufgaben missbraucht werden, die
nichts mit einer Ausbildung für die Forschung zu tun haben.
Es muss auch sichergestellt werden, dass sich Leistung lohnt. Kolleginnen
und Kollegen, die bereits mehrmals ihre Qualität bewiesen haben, müssen
endlich Laufbahnstellen angeboten bekommen. Der derzeitige Zustand, dass es
leichter ist, eine Professur an einer anderen Universität zu bekommen als
eine unbefristete Assistentenstelle an der Universität Wien, ist kein
Beweis für die hohe Qualität der Uni Wien. Er zeigt lediglich auf, dass
sich die Universität wenig um die Karrieren ihrer Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter kümmert.
Die Universität muss sehr sorgfältig und wertschätzend mit ihren
Personalressourcen umgehen mit dem bestehenden Personal für die Gegenwart
und mit den Studierenden für die Zukunft. Dann wird auch die Qualität
stimmen. Mit kollegialen Grüßen
Gert Michael Steiner
Vorsitzender